Groenhagen wird überraschend Weltmeister im Triathlon


Nach einem spektakulären Wettkampf wird der Emder bester in seiner Altersklasse in Zell am See

Zell am See/Kaprun/Österreich – Achim Groenhagen krönt seine sportliche Triathlon Karriere überraschend mit dem Weltmeistertitel in der M45-49 Altersklasse und setzt sich die Krone auf. Am Vergangenen Sonntag wollten sich die Besten der Besten bei der offiziellen Ironman 70.3 Weltmeisterschaft im österreichischem Bundesland Salzburg in Zell am See messen, 2200 Athleten aus aller Welt hatten sich eingefunden.Dieses ist das erste Mal, dass die WM überhaupt in Europa stattfand. Neben vielen Athleten der Weltelite, war mit Ironman Europameister Jan Frodeno und Weltmeister der Volldistanz von Hawaii Sebastian Kienle in Zell am See alles am Start vertreten was Rang und Namen hatte. Mit dabei war auch Achim Groenhagen, Läufer der LG Harlingerland, der sich beim Triathlon in Kraichgau für diese Weltmeisterschaft in seiner Altersklasse qualifizieren konnte. Bei einem Ironman-70.3-Rennen werden 1,9 Kilometer geschwommen, 90 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt und als Abschlussdisziplin wird die Halbmarathon-Strecke (21,1 Kilometer) gelaufen. Ironman 70.3 ist eine Triathlon-Rennserie der World Triathlon Corporation, die aus der Hälfte der Ironmandistanz besteht. Aus der Gesamtdistanz von 113 Kilometer, entsprechend 70,3 Meilen, leitet sich der Name des beliebten Triathlons ab.

Bei hochsommerlichen Temperaturen gingen zunächst die Profis an den Start, unmittelbar danach wurden bereits die qualifizierten Altersklassen Athleten, die sogenannten Agegrouper, gestartet und auf die 1,9 Kilometer lange Schwimmstrecke geschickt. Schon bei seiner nicht gerade beliebten Disziplin im Schwimmen zeigte Groenhagen seine absolute Willenskraft, an diesem Tag eine gute Platzierung erzielen zu wollen. Alles war wieder mit seinem Trainer Ralf Lindschulten im Training auf diesen Tag hin perfekt vorbereitet worden und Groenhagen versuchte seine geplante Taktik umzusetzen. Nach 30:30 Minuten stieg der Ostfriese auf Platz 83 in seiner Altersklasse liegend, nur wenige Augenblicke hinter den Schwimmstärksten Teilnehmern im Feld, aus dem Zeller See. Damit brachte er sich bereits in eine glänzende Ausgangsposition für seine Paradedisziplin dem Radfahren.

In der Wechselzone ging es über auf die Raddisziplin, bei der Groenhagen wie so oft Platz um Platz auf der Strecke gutmachen kann. Doch schnell kam plötzlich zunächst alles ganz anders als gedacht, mit gleich zwei platten Reifen auf den ersten fünf Kilometern schienen alle Chancen auf eine gute Platzierung bereits frühzeitig begraben zu sein. Gleich sieben bis acht Minuten hatte er bei der Reparatur verloren. Durch die Pannen mit Adrenalin und Wut im Bauch aufgeputscht, versucht er jetzt nicht zu überdrehen und damit noch alles zu verschlimmern. Wer frühzeitig zu viel Energie verbraucht, wird hinten raus meist doppelt bestraft, wenn die Kraft verloren geht. Diszipliniert spult er unbeirrt seine Raddisziplin ab, fährt weiterhin hoch konzentriert die schwierigen Kurven an und hält sein Tempo konstant hoch. Der radstarke Emder fährt kräftezehrend am steilen Anstieg wie entfesselt dem höchsten Punkt der Strecke, dem Filzensattel, entgegen. An diesem Teilstück ist er nur unwesentlich langsamer als die Profis Frodeno und Kienle. Kurz darauf begibt er sich gleich wieder auf die halsbrecherische Abfahrt Richtung Saalfelden. Auf den letzten 30 Kilometern kann der für den Triathlon Club Oldenburg „Die Bären“ startende Athlet sogar noch an Tempo zulegen. Konkurrent um Konkurrent wird auf dem Rückweg nach Zell am See einkassiert und Groenhagen fährt jetzt nach 2:27:52 Stunden, bereits an Position 22 liegend, in die Wechselzone ein.

Zügig wird das Schuhwerk gewechselt und es geht weiter auf die Laufstrecke über, für den jetzt noch abschließenden Halbmarathon von 21,1 Kilometern. Schnell zeigte sich das der Emder VW Angestellte sich die 90 Radkilometer gut eingeteilt hatte. Das Thermometer ist mittlerweile auf 34 Grad gestiegen, die Hitze scheint Groenhagen jedoch, nach dem heißen Hawaii Triathlon und der Hitzeschlacht von Kraichgau bei der WM Qualifikation, abermals nichts anhaben zu können. Andere Athleten haben zu diesem Zeitpunkt schon viel größere Probleme auf der Strecke. Jetzt kommt die nächste Stärke von Groenhagen zum Tragen, mit einem Schnitt von 3:42 bis 3:58 Minuten auf den Kilometer schlägt er ein hohes Tempo für den Halbmarathon an. Im Netzwerk wächst die Begeisterung bei den Vereinskollegen und Fans in der Heimat, die die Ergebnisse im Internet oder per Livestream verfolgen. Mit Unterstützung von Ehefrau Angelika an der Laufstrecke, werden ebenfalls Informationen und sogar Fotos von Achim nach daheim gepostet. Völlig fokussiert und im „Tunnel“ befindend läuft er einen hervorragenden Wettkampf und kann weitere Plätze gutmachen. Sogar auf den Fotos von der Strecke gepostet, ist zu erkennen wie stark und gut er noch drauf ist, als er die Hälfte der Laufdistanz bewältigt hat. Einen Platz unter den ersten fünf hatte er selbst anvisiert, jetzt war plötzlich sogar wieder das Podest in greifbarer Nähe. Nach 1:21:50 Stunden Laufen ist es tatsächlich geschafft, Groenhagen läuft an Position Zwei in seiner Altersklasse über die Ziellinie und ist überglücklich. Gerade einmal vier Minuten hatte er trotz Pannen auf den Weltmeister verloren. Achim Groenhagen brauchte für die 113 Kilometer 4:28:20 Stunden.

Die Glückwünsche aus der Heimat bringen das Handy in der Hand seiner Ehefrau förmlich zum glühen, alle sind begeistert über diese grandiose Leistung des Vize Weltmeisters. Zu späterer Stunde bei der Siegerehrung wird es aber erneut unruhig und Achim postet plötzlich sich mit dem Pokal als Erst Platzierter. Der ursprüngliche Sieger war disqualifiziert und Groenhagen war damit plötzlich Weltmeister seiner Altersklasse geworden. Jetzt gab es bei allen vor lauter Freude kein halten mehr. Das fast unmögliche war wahr geworden- Achim Groenhagen ist tatsächlich Weltmeister geworden. Bei den Profis an der Spitze hat sich Jan Frodeno nach dem Ironman-EM-Titel auch den Sieg bei der Ironman-70.3-WM geschnappt. Der 34-Jährige setzte sich, wie schon in Frankfurt, vor Sebastian Kienle durch. Titelverteidiger Javier Gómez wurde Dritter. Auch Michael Raelert, Andreas Böcherer und Andreas Dreitz landeten unter den Top Ten. Groenhagen belegte im Gesamtfeld Platz 102 in der Männerwertung. Was Jan Frodeno kann, konnten bei der Ironman 70.3 World Championship in Zell am See, neben Groenhagen auch sechs weitere Agegrouper aus Deutschland. Drei Frauen und fünf Männer krönten sich zu Weltmeistern, dieses zeigt die hohe Leistungsdichte in Deutschland.

Banner mit Groenhagen 70.3 Zell am See Siegerehrung 70.3 Zell am See Rad 70.3 Zell am See Pokal WM 70.3 Zell am See Laufen 70.3 Zell am See Ehefrau Angelika von der Strecke